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Mitgliederinformation 06.08.2022

Mitgliederinformation 06.08.2022

Liebe Freunde, liebe Unterstützer,

leider werden die Zeiten nicht besser, wenn uns die kurzen Berichte unserer Freunde erreichen, ist viel Trauer, Verzweiflung und Angst zwischen den Zeilen zu lesen. Die Männer ziehen in den Kampf in den Osten der Ukraine, dort gibt es viele Opfer, auch aus Baryschiwka und Berezan. Natürlich möchte sich das Land verteidigen und die Gebiete nicht dem Feind überlassen, aber im letzten Bericht ist zu lesen, es gibt viele Anhänger der russischen Welt in den Gebieten Luhansk, Donetzk und auch Sumy. Bomben töten Soldaten, der Krieg ist unerbärmlich mit vielen Opfern und macht nicht Halt vor Zivilisten, Kindern, Frauen und alten Leuten. Baryschiwka und Berezan nimmt viele Gelüchtete aus den Ostgebieten auf. Die Unterbringung und Versorgung ist eine große Herausforderung. In unseren Partnergebieten wird momentan nicht gekämpft, aber die Zeit ist weit weg von normal. Es gilt ab 22 Uhr eine Ausgangssperre, in den Häusern darf kein Licht brennen, jeden Abend und auch tagsüber heulen die Sirenen, Luftalarm. In Der Ukraine beginnt ab September das nächste Schuljahr. Das Ziel ist möglichst die Kinder in Präsenz zu unterrichten. Alle Schulen werden überprüft, die Gebäude müssen mit einem entsprechenden Keller ausgestattet sein, in dem die Kinder im Notfall flüchten können und auch in diesen Räumen unterrichtet werden können. Nicht alle Schulen haben einen entsprechenden Keller mit Belüftung und es ist wahrscheinlich, dass viele Schüler wieder online Unterricht erhalten werden. In den ländlichen Gebieten des Rayons wird viel Korn angebaut. Die heurige Ernte scheint gut zu sein, aber die Lager sind mit dem Korn von letztem Jahr gefüllt, das seit Anfang des Krieges nicht transportiert werden konnte. Jetzt gibt es Hoffnung durch das neue Abkommen, das die Vereinten Nationen mit Hilfe der türkischen Regierung ausgehandelt haben. Natürlich fehlt den Agrarunternehmen auch das Einkommen im letzten halben Jahr, jetzt ist nur zu hoffen, dass die dringend benötigten landwirtschaftlichen Produkte wieder zu den Abnehmern gebracht werden können.

Das Projekt, das durch den Krieg ausgesetzt wurde, wird wieder aufgenommen, die Erneuerung der Trinkwassergewinnung wird weitergebaut und installiert. Der verantwortliche Ingenieur hat zugesichert, dass alle Teile vorhanden sind und nach dem Zeitplan weitergefahren werden kann. Die Gelder, die von Nakopa freigegeben sind, dürfen ausgezahlt werden. Die Trinkwasserbrunnen für einen Gemeindegebiet Baryschiwka wird eine neue Verrohrung erhalten, die Pumpen werden modernisiert und durch Solarstrom betrieben. Die Baumaßnahmen wurden für die sechs Monate des Krieges unterbrochen und werden auf Meinung der Verantwortlichen wieder fortgesetzt. Dr Heisel ist ständig im Kontakt mit dem verantwortlichen Ingenieur, Herr Ryabets. Beide haben kennen sich gut und schätzen die gute Zusammenarbeit.

Im Pflegeheim in Perimoha wurde 2019 zur Warmwasserbereitung eine Solarthermieanlage auf dem Dach des Waschhauses installiert. Die Röhren, die die Wärme speichern und abgeben, wurden bei der Belagerung durch russische Soldaten zerstört. Diese sollen erneuert werden, da sonst bei weiten nicht ausreichend Warmwasser für die Pflege der Bewohner vorhanden ist. Die Bürgermeisterin Frau Tausendfreund gab die Kostenzusage für diea. Inzwischen konnte das Pflegeheim wieder soweit hergerichtet werden, dass die Insassen zur großen Freude wieder „heim“ kommen konnten. Fenster und Türen sind erneuert, die Verwüstungen aufgeräumt und instandgesetzt. Den Transport der gehbehinderten Personen übernahm das Krankenauto, das im Mai von Pullach dank der großzügigen Spenden angeschafft wurde. Alles ist im Einsatz. Das im Pflegeheim stationierte Auto, das „Essen auf Rädern“ ausfährt, wurde ziemlich ramponiert im Wald gefunden und wird momentan in einer Werkstatt gerichtet. Viel wird aufgeräumt und wieder instand gesetzt. So haben die Verantwortlichen der Stadt Baryschiwka um ein Müllauto gebeten und wir werden einen Antrag bei Engagement Global stellen um die Finanzierung zu sichern. Die Gemeinde Pullach durfte für Ihre Partner einen weiteren Antrag für drei Kommunalfahrzeuge stellen Wir sind gespannt, ob der Zuschlag für die Unterstützung gegeben wird.

Die Stadt Berezan hat vor acht Wochen den Wunsch geäußert nach einem Krankenwagen, der im letzten Winter schwer verunglückt ist. Da momentan die Nachfrage nach Autos sehr groß ist, hat es gedauert, bis der Partnerschaftenverein mithilfe der Feuerwehrkameraden das organisieren konnte. Gerade wird der Kauf organisiert und geplant wird das Krankenauto Anfang September zu unseren Freunden überführt. Natürlich werden wir das Fahrzeug mit benötigten Hilfsgütern, Verbandsmittel und Medikamenten füllen.

Im Juli hatten wir in Pullach spontan Besuch von Borys Skoryk, dem Vorstandsvorsitzenden des Partnerschaftenverein in Baryschiwka und Berezan. Er hatte die Gelegenheit mit einem LKW, der Güter in die Ukraine bringt, mitzufahren. Er hat die Lage als ruhig beschrieben, voller Angst vor den Luftalarmen und den Gedanken, was die Zukunft bringen wird. Es ist eine sehr schwere Zeit, niemand weiß, was kommen wird. Er berichtet, dass das Krankenhaus für die Versorgung verletzter Soldaten und Kriegsopfer als Schwerpunkt arbeitet. Dank der guten Ausstattung können die Ärzte gut helfen. Das größte Problem ist dass die Sauerstoffversorgung neu ausgerichtet werden muss, die Firmen, die Sauerstoffflaschen wiederbefüllen, wurden im Krieg zerstört. Das Krankenhaus hat bereits vor dem Krieg eine Planung für die Versorgung in einem zentralen Sauerstofftanks am Rande des Geländes mit einer Leitung zu den Gebäuden und einem Verteilungssystem in den Patientenzimmern. Um die Finanzierung der Leitungen hat Borys bei seinem Besuch gebeten. Dr Andreas Most als stellvertretender Bürgermeister in Absprache mit Frau Tausendfreund hat die Kostenübernahme zugesagt. Dass die Baumaßnahmen auf Hochdruck laufen, sehen wir an geschickten Fotos und Abrechnungen.

In Pullach sind mehr als 170 geflüchtete Personen untergekommen. Das Schuljahr wurde vor kurzem abgeschlossen, Schüler besuchen die Grund-, Mittelschule, Otfried Preußler Gymnasium und Pater Rupert Mayer Schulen. Die Deutschkurse für Mütter, Senioren und Intensiv laufen weiter, die Jugendlichen und Erwachsene besuchen den Integrationskurs. Im Oktober stellt das Gymnasium in Pullach einen Schulraum zur Verfügung, so kann ein Integrationskurs in Pullach abgehalten werden. Die Kinder freuen sich, sie haben vom Lions Club Pullach Freikarten für das Pullacher Freizeitbad bekommen. Bei diesem heißen Wetter immer eine wunderbare Abwechslung. Ob groß, ob klein alle sind mit einem Fahrrad versorgt. Auf Anregung der Bürgerversammlung sind alle Kinder mit einem Fahrradhelm versorgt. Vielen Dank an das Team der Radlwerkstatt, die auch die Reparaturen der Drahtesel übernimmt.

Die Frauen sind inzwischen schon bis fünf Monate in Pullach aufgenommen und kein Ende des Krieges in Sicht. So melden sich mehr und mehr Gastgeber, die eine neue Unterbringung für ihre aufgenommenen Schützlinge brauchen. Alle vier Wohnungen, die United Initiators dem Partnerschaftenverein kostenfrei zur Verfügung stellt, sind mit 21 Personen besetzt. In der Kreuzeckstraße beziehen Mütter mit ihren Kindern zwei Wohnungen als Wohngemeinschaften. So werden die Zimmer möbliert und ausgestattet, die Küchen eingebaut. Vielen Dank an alle, die so fleißig mithelfen, alles freiwillig, ohne Bezahlung.

Wie Sie lesen können, viele Projekte, viele Aufgaben, viel Unterstützung. Die Arbeit geht nicht aus, jede*r der Zeit und Lust hat zu unterstützen, ist willkommen.

Was am dringendsten benötigt wird, ist Wohnraum. Bitte melden Sie sich, bitte empfehlen Sie uns. Wir wollen für diese schwere Zeit den geflüchteten Frauen und ihren Kindern einen sicheren Unterschlupf bieten.

Vielen lieben Dank für Ihre Unterstützung, alles hilft, wir sind offen für alles. Wir alle hoffen auf Frieden und Freiheit in der Ukraine und möchten solidarisch an der Seite unserer Partner und Freunden in Baryschiwka und Beresan sein.

Leider müssen wir uns immer noch zum „Innehalten für den Frieden“ treffen. Solange in der Ukraine Krieg ist, kommen wir jeden Sonntag um 17 Uhr am Baryschiwka Platz zusammen, um Informationen auszutauschen und ein paar Gedanken zu teilen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und hoffe auf ein baldiges Ende des Krieges.

Herzliche Grüße

Otto Horak
Vorstandsvorsitzender

Krieg in der Ukraine: Situation vor Ort und hier

Krieg in der Ukraine: Situation vor Ort und hier

Liebe Pullacherinnen und Pullacher,

aktuell gibt es kein Kriegsgeschehen in unserer Partnerregion Baryschiwka / Beresan. Dass die Lage sich entspannt hätte, wäre dennoch der falsche Rückschluss. Es besteht immer die Sorge und die reale Gefahr, dass Raketen auf Ziele abgeschossen werden, die nicht in den derzeit umkämpften Gebieten liegen, wie dies immer wieder geschieht. Ein Ende des Angriffskriegs des russischen Regimes ist nicht in Sicht. Die Konzentration auf die südlichen und östlichen Landesteile gibt zwar die Möglichkeit, die zerstörten Dörfer nach und nach aufzuräumen. Aber der Krieg kann jederzeit zurückkommen. Die Situation für unsere ukrainischen Freundinnen und Freunden ist weiterhin kritisch: Etliche Landminen wurden hinterlassen, so dass es zu weiteren Verletzten und Todesfällen kommt. Strategisch wichtige Punkte werden mit Drohnen ausspioniert, große Teile der Infrastruktur in der gesamten Region, wie die Wasser- und Stromversorgung wurden zerstört, was die Versorgung der Menschen deutlich erschwert – so wird es uns aus der Partnerregion berichtet. In der Nacht darf das Licht nicht eingeschaltet werden und es gilt eine Ausgangssperre. Auch weiterhin heulen regelmäßig die Sirenen und warnen vor Angriffen. Die Männer im wehrfähigen Alter müssen in der Ostukraine kämpfen. Über die Lage des dortigen Zermürbungskriegs berichten alle Medien.

Durch den engen Kontakt wissen wir immerhin sehr genau, was in unserer Partnerregion gebraucht wird und wie wir helfen können. Dass das überhaupt in dem Ausmaß wie bisher möglich ist, liegt zu großen Teilen an der bemerkenswerten Spendenbereitschaft im Ort: Privatpersonen, Schulen, Vereine und Gewerbetreibende – von allen Seiten sind schon eine Vielzahl an Spenden beim Partnerschaftenverein eingegangen. Diese hohe Bereitschaft, sich zu engagieren und zu helfen ist gut und wichtig. Hier einige Beispiele: Das Pater-Rupert-Mayer Schulzentrum hat bei einem Sponsorenlauf im Rahmen des Europatags der Realschule und des Gymnasiums 30.000 € für den Partnerschaftenverein zur Unterstützung der ukrainischen Partnerstädte erlaufen. Bereits 2.600 € an Spendengeldern sind bei Juwelier Vehns durch den Verkauf von Ukrainearmbändern zusammengekommen – die Aktion läuft weiter. Die Burschen und Madln haben bei einem gemeinsamen Spendengrillen im März über 4.000 € an Spenden eingenommen und dem Partnerschaftenverein übergeben. Der Lions Club Großhesselohe hat entschieden, die ukrainischen Kinder mit dem Erlös seiner Osterbrunnen-Spendenaktion mit Freikarten fürs Schwimmbad zu versorgen. Die Feuerwehr hat mehrere Hilfstransporte durchgeführt und unterstützt laufend Hilfsaktionen vor Ort. Der Partnerschaftenverein finanziert durch Spenden einen neuen Operationstisch für das Krankenhaus in Baryschiwka. Die Fahrzeuge, die in den letzten Monaten in die Ukraine gebracht wurden und über Spenden der Lionsclubs und von privaten Sponsoren finanziert wurden, sind im Einsatz und verrichten gute Dienste. In Beresan wird jedoch dringend ein neuer Krankenwagen benötigt, da ein von Pullach finanziertes Auto, das wir erst 2015 übergeben hatten, schwer verunglückt ist, der Fahrer ist dabei verstorben. Auch ein Müllfahrzeug wird dringend benötigt, um die Abfälle aus den zerstörten Gebieten zu transportieren und auch im Anschluss eine geordnete Abfuhr zu gewährleisten. Wir werden versuchen eine Förderung über den Entwicklungshilfefond bei Engagement Global zu erhalten. Aber auch gebraucht wird das Fahrzeug etwa 50.000 Euro kosten. Genau diese Aktionen sind wichtig und wir wollen sie fortsetzen. Dafür hat auch die Gemeinde ihren Etat aufgestockt.

Das Engagement für die Geflüchteten hier vor Ort ist ungebrochen. Federführend bei der Organisation diverser Hilfsangebote und Kurse ist der Partnerschaftenverein. Er betreut aktuell 110 Geflüchtete. Mein aufrichtiger Dank gilt allen, die sich im Partnerschaftenverein engagieren, insbesondere Otto Horak und Barbara Kammerer-Fischer für ihren unglaublichen Einsatz. Die Unterstützung der Geflüchteten durch den Verein reicht von der Versorgung mit den wichtigsten Informationen und Adressen über die Wohnraumvermittlung und Einrichtung einer Kleiderkammer bis zur Vermittlung von Kursangeboten. Oft sind Deutschkenntnisse der Schlüssel für einen Job. Aktuell laufen vier Deutschkurse bei der Volkshochschule, alle aus Spenden finanziert. Das Lernen für die Mütter ist einfacher geworden, da die kleinen Kinder für drei Tage pro Woche Spielgruppen in zwei verschiedenen Einrichtungen besuchen können. Alle Schulkinder besuchen die Pullacher Grund- oder Mittelschule, das Gymnasium oder die Pater Rupert Mayer Realschule. Viele der aufgenommenen Familien bekommen Unterstützung durch den Isartaler Tisch. Da die große Anzahl leistungsberechtigter Personen nicht wöchentlich bewältigt werden kann, wird die Ausgabe alle zwei Wochen organisiert. In den Pfingstferien unternahmen die Kinder und Jugendlichen Ferienaktionen, die von den Betreuern von Freiraum2 organisiert wurden. Seit Anfang Mai besuchen zehn Jugendliche den Jugendintegrationskurs in München. Ab Mitte Juli starten acht Erwachsene in derselben Einrichtung den Integrationskurs.

Große Herausforderungen begegnen uns bei der längerfristigen Unterbringung. Über 160 Geflüchtete wurden inzwischen in Pullach aufgenommen. Meist sind sie bereits mehr als drei Monate in Pullach, oft bei Gastfamilien untergebracht. Der Wunsch nach einer gesicherten Bleibe für die Zeit, bis der Krieg beendet ist, ist groß. Gastgeberfamilien können ihr Angebot aber in vielen Fällen verständlicherweise nicht über Monate hinweg aufrechterhalten. Da es in Pullach kaum freie Wohnungen gibt, ist die längerfristige Unterbringung eine schwierige Aufgabe.

Sollten Sie Wohnraum zur Verfügung stellen können oder den Partnerschaftenverein mit Spenden unterstützen wollen, finden Sie im Kasten unter diesem Beitrag die Kontaktdetails. Ich danke jeder und jedem einzelnen, die oder der im Rahmen der eigenen Möglichkeiten in dieser schweren Situation Unterstützung leistet.

Es grüßt Sie herzlich
Ihre Susanna Tausendfreund
Erste Bürgermeisterin

Kasten:
Partnerschaftenverein Pullach i. Isartal e.V.
Johann-Bader-Str. 21
82049 Pullach i. Isartal
E-Mail: support@pv-pullach.de

Spendenkonto „Hilfe für Baryschiwka/Beresan“
Partnerschaftenverein Pullach e.V.
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg
IBAN: DE37 7025 0150 0009 626 342
BIC: BYLADEM1KMS

Mitgliederinformation 05.06.2022

Mitgliederinformation 05.06.2022

Liebe Mitglieder des Partnerschaftenvereins, liebe Freunde, liebe Unterstützer,

leider kein Ende in Sicht, im Gegenteil. Gerade heute wurden wieder Ziele in Kiew mit Raketen angegriffen und getroffen. Seit Wochen ist es ruhiger in der Mittel und Westukraine geworden. Die Nachrichten berichten von schweren Kämpfen im Osten, fürchterliche Bilder erreichen uns. Die ukrainischen Soldaten stellen sich der übermächtigen russischen Armee entgegen und geben nicht auf, im Gegenteil die ukrainischen Kämpfer halten die Linie oder erobern Gebiete wieder zurück. Die Russen planen einen Zermürbungskrieg im Osten, der sich lange hinziehen wird. Eines steht fest, durch die Angriffe im ganzen Land sind die Leute tief verunsichert, täglich mehrmals heulen die Sirenen und warnen vor Luftangriffen. Strategisch wichtige Punkte werden mit Drohnen ausspioniert, die Wasser- und Stromversorgung für die Haushalte wird ausgeschaltet, wichtige Verbindungswege auf der Straße oder Schiene werden getroffen. Die russischen Aggressoren machen vor der Zivilbevölkerung nicht halt.

Letzte Woche organisierten wir ein virtuelles Treffen mit den verantwortlichen Personen in Baryschiwka, Oleksandr Varenitschenko, Bürgermeister; Nadia Sluchai, Sekretärin des Gemeinderates; Inna Luferenko, Leiterin der Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung und Finanzen, wie Borys Skoryk, Vorstandsvorsitzender des Partnerschaftenvereins Baryschiwka – Pullach – Beresan, wie auf Pullacher Seite Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, zweiter Bürgermeister Andreas Most, von der Verwaltung Frau Nagl und vom Partnerschaftenverein Pullach Otto Horak und Barbara Kammerer-Fischer. Ganz besonders möchte ich mich bei den Übersetzerinnen Frau Symonenko und Frau Trypolska bedanken.

Aus Baryschiwka wurde berichtet, dass viele Männer in das Kriegsgebiet im Osten ziehen, die Territorialabwehr ist aktiv und organisiert die Verteidigung vor Ort. Ende Mai endet das Schuljahr in der Ukraine, was normalerweise groß gefeiert wird. So wollte man auch in so schwierigen, traurigen Zeiten für die Kinder ein Fest mit Überraschungen feiern, einfach ein paar Stunden Freude und Spaß, soweit das möglich ist.

Die Brücken, die am Anfang zum Schutz der Stadt Baryschiwka gesprengt wurden, sind teilweise wieder instandgesetzt. Viele Flüchtlinge kommen aus den Ostgebieten der Ukraine, sie haben alles verloren und es ist klar, dass sie, sollten sie jemals wieder in ihre Heimat zurück können, sicher lange Zeit eine Unterkunft brauchen und sich wahrscheinlich eine neue Existenz aufbauen müssen. Nach Baryschiwka sind ungefähr 4000 Personen mit 700 Kinder geflohen. Sie kommen bei Verwandten und Bekannten unter. Jeder gibt so viel er kann. Die Leute werden mit Lebensmittel und Hygieneartikel versorgt, teilweise aus Spenden von Pullach finanziert. In den Geschäften gibt es Waren zu kaufen, die Preise steigen. Manche Artikel sind Mangelware, wie zum Beispiel Salz.

In dem gemeinsam erbauten Kirchlein in Bakumivka wurde zum orthodoxen Christi Himmelfahrtsfest eine Messe gefeiert. Unweit davon liegt das Dorf Perimoha, das von den Russen schwer zerstört und geplündert wurde. Die Leute kommen langsam zurück und stehen fassungslos vor ihren Häusern.

Manche beginnen aufzuräumen, aber wo anfangen. Die Gefahr der Minen ist immer noch gegeben, auch wenn der Suchtrupp fast alle geräumt hat muss man immer noch damit rechnen. Das ist
besonders schlimm auf den Feldern, auch wenn Drohnen alles kontrollieren, können immer noch Minen übersehen werden. Auf den Feldern wird gesät und gepflanzt, auch wenn die vorjährige Ware zum Teil noch in den Lagerhallen ist. Eigentlich würde das Korn dringend für die Ernährung gerade afrikanischer Länder gebraucht werden, aber der Transport ist durch den Krieg unterbrochen.

Trotzdem haben sich die Bauern entschieden zu pflanzen, das ist ihre normale Arbeit und es ist zu hoffen, dass die geernteten Produkte über neue Wege zu ihren Abnehmern finden. Als erstes muss in den zerstörten Häusern und Gebieten der Schutt und Müll weggebracht werden. Da bittet Baryschiwka um Hilfe bei der Anschaffung von einem Müllfahrzeug. Gemeinsam wollen wir einen Antrag bei Engagement Global stellen um ein entsprechendes Fahrzeug, sicher nur gebraucht um ca. 50.000 € zu kaufen. Unsere Freunde stellen sich ein in Deutschland eingesetztes Fahrzeug vor, da die Ausstattung und Qualität ihren Vorstellungen entspricht. So hat man sich bei der Videokonferenz besprochen, einen entsprechenden Antrag gemeinsam zu stellen.

In vielen Haushalten gibt es das Problem, dass durch längeren Stromausfall der Inhalt der Gefriertruhen verdorben ist, auch das muss alles entsorgt werden. Es ist so fürchterlich, was ein Krieg alles zerstört, wieviel Leid ein Krieg bringt und welches Maß das alles annimmt, ist unvorstellbar. Für das Krankenhaus in Baryschiwka ist der Operationstisch gekauft, die Papiere sind vorbereitet. Gerade wird noch geprüft, ob jetzt noch Zusatzgeräte beschafft werden können, oder auf etwas später verschoben werden müssen. Das Krankenhaus berichtet, noch gut mit Medikamenten und Verbandsmaterial bestückt zu sein. Die Fahrzeuge, die in den letzten Monaten in die Ukraine gebracht wurden sind im Einsatz und tuen gute Dienste. Leider ist der Krankenwagen, der 2019 für Beresan gekauft wurde, schwer verunglückt, der Fahrer ist beim Unfall verstorben, das Auto ist Totalschaden. Der Partnerschaftenverein sieht sich gerade um, ob ein entsprechender Sanka zu kaufen ist. Momentan ist der Gebrauchtwagenmarkt leer, da die Autos alle in die Ukraine gebracht werden, aber vielleicht gibt es für uns die Möglichkeit zu helfen.

In Pullach tut sich auch einiges. Die vier Wohnungen, die United Initiators dem Partnerschaftenverein kostenfrei überlassen hat, sind schön hergerichtet und mit Möbeln bestückt. Die ersten kleinen Familien ziehen ein, teilweise in einer WG und sind dabei sich ein kleines Stück eigenes zu Hause einzurichten. Ich möchte mich bei allen Helfern herzlich bedanken, nur gemeinsam ist das zu schaffen. Auch die Pullacher Familie, die die geflüchteten Frauen mit ihren Kindern so gut aufgenommen und unterstützt haben, verdienen größte Anerkennung und mein Dankeschön. Für die kleineren Kinder begann in zwei Einrichtungen eine Spielgruppe, auch da haben alle zusammengeholfen und alles Unmögliche möglich gemacht.

Die Pfingstferien haben begonnen, Freiraum hoch 2 organisiert Ausflugsaktivitäten zum Skylinepark, zum Blomberg und in die Stadt. Die Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung lädt die Kleineren mit Mütter zum Sommerfest am Tegernsee. Die Mütter freuen sich für ihre Kinder, so kommen alle auf fröhliche Gedanken und bringt ein wenig Abwechslung in dieser sorgenreiche Zeit. Man wird sehen, welche Entwicklungen die Zukunft bringt. Wir hoffen auf ein baldiges Ende des Krieges, dass das Morden und Zerstören aufhört, das Leid weniger wird. Wir wollen solidarisch mit unseren Freunden sein, wir wollen helfen, so gut wir können, dank Ihrer Unterstützung.

Vielen, vielen Dank für Alles!
Otto Horak

Mitgliederinformation 07.05.2022

Mitgliederinformation 07.05.2022

Liebe Mitglieder des Partnerschaftenvereins, liebe Freunde, liebe Unterstützer,

alles ist gut gegangen, auch wenn der Weg nicht einfach war. Gemeint ist der Transfer der zwei gespendeten VW Busse und des Notarztwagens. Borys Skoryk, der Vorstandsvorsitzende des Partnerschaftenvereins Baryschiwka / Beresan, ließ es sich nicht nehmen, diese wichtige Unterstützung selbst in Pullach abzuholen. So machte er sich mit drei Fahrern in einem Fahrzeug auf den über 2000 km langen Weg. Und die Fahrt ist anders, wie zu Friedenzeiten, die Fahrer müssen sich gut informieren um die richtige Strecke auszuwählen.

Der Hinweg ist gut gelaufen, bis auf ein Problem mit dem vierten Fahrer. Er durfte nicht über die Grenze, weil irgendein Papier nicht in Ordnung war. So wartete er an der ukrainischen Seite bis Borys mit den Fahrern nach fünf Tagen wieder von Polen in die Ukraine eingereist ist. Der Grenzübergang dauert inzwischen viele Stunden, momentan reisen mehr Personen wieder zurück in die Ukraine. Der Partnerschaftenverein musste für das Notarztauto für den Weg an die Grenze nach Polen einen Fahrer organisieren, zwei Mitglieder des Vereins, Holger Ptazek und Richard Wesche und Peter Wolff von der freiwilligen Feuerwehr Pullach haben die lange Reise auf sich genommen, die Firma Sixt hat ein Auto von Krakau nach Pullach zur Verfügung gestellt. So ist alles gut gegangen. Die zwei Busse, gespendet von der Firma Freudenberg, Herrn Dr. Großmann, sind bereits im Einsatz, einer in Baryschiwka und einer in Beresan. Sie transportieren Personen, holen und bringen Güter, Lebensmittel und Hygieneartikel zu den Menschen, besonders zu den entlegeneren Dörfern. Die Verantwortlichen sind ganz begeistert von den schönen Autos, die viel Unterstützung für die Bevölkerung leisten werden.

Der Notarztwagen, der wieder gefüllt war mit wichtigen Medikamenten und Verbandsmitteln zur Versorgung von Kriegsverletzten, ist im Krankenhaus Baryschiwka stationiert. Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Stiftunglife, Herrn Gessner für die sehr großzügige Spende. Das Krankenhaus hat bis einschließlich Januar ausschließlich Corona kranke Patienten behandelt. Ende 2021 hat Pullach und Baryschiwka ein gemeinsames Projekt über das Corona Solidar Paket
finanziert von Engagement Global über eine Summe von fast 40.000 € durchgeführt. Es wurden Sauerstoffkonzentratoren zur Atemunterstützung, neben Desinfektionsmittel , wie UV Lampen zur Luftreinigung angeschafft. Seit Kriegsbeginn arbeitet das Krankenhaus als Schwerpunkt für kriegsverletzte Personen. So wurden über 100 Soldaten behandelt, davon mussten 73 Soldaten und 4 Zivilisten operativ versorgt werden. Es ist auch den gespendeten Medikamenten zu verdanken, dass
die Behandlung so erfolgreich war. Vielen Dank allen Spendern, dank Ihnen bekommen die Patienten die beste Hilfe.

Im Krankenhaus wird rund um die Uhr gearbeitet, natürlich wird auch die Bevölkerung behandelt und seit Ausbruch des Krieges kamen neun Babys zur Welt, drei Buben und sechs Mädchen. Die Ausstattung des Kreissaals wurde vor ein paar Jahren von der Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung mit modernen Geräten unterstützt.

Die durchschnittliche Auslastung des Krankenhauses liegt bei gut 50%, im Bedarfsfall können immer Patienten aufgenommen und versorgt werden.

Der Partnerschaftenverein wollte das Krankenhaus mit einemmodernen Operationstisch unterstützen. Wir waren bereits in Verhandlung mit einer Firma die ein Vorführmodell auch in die Ukraine bringt und aufstellt. Wir haben jetzt angefragt, ob das auch in dieser Zeit möglich ist, um den verletzten Personen eine gute Behandlung zu ermöglichen. Das Kostenangebot vom Februar war ca. 30.000 € mit Lieferung und Zubehör, bis jetzt haben wir noch keine Antwort.

Borys Skoryk hat von der Lage im Gebiet Baryschiwka und Beresan berichtet. Die russischen Besatzer sind nach vier Wochen abgezogen. Er hat Fotos der Verwüstung gezeigt, speziell von den Dörfern Lukjaniwka, Rudnytske, Lukashi und Perimoha, mit dem Pflegeheim. Die 38 Bewohner mussten die Zeit im Heim verharren, niemand durfte in den Ort kommen oder ihn verlassen. Das Pflegeheim ist schwer zerstört, die Bewohner wurden evakuiert und zwei Personen sind in der Besatzungszeit
verstorben. Die Solarthermieanlage, die über ein Projekt von Nakopa über den Partnerschaftenverein organisiert wurde, zur Warmwasserbereitung ist nicht mehr funktionsfähig, aber wohl nicht komplett zerstört, so dass später an eine Reparatur gedacht werden kann.

Das andere Projekt, die Renovierung der Trinkwasserversorgung, das momentan durchgeführt wird, kann zurzeit nicht weitergebaut werden, da stets mit dem Auftauchen russischer Drohnen zu rechnen ist. Einer der drei Brunnen, die Trinkwasser für Baryschiwka liefern, wurde die Installation einer Hocheffizienzpumpe mit Photovoltaikanlage vor Kriegsbeginn abgeschlossen und funktioniert. Es ist nur zu hoffen, dass der Krieg bald beendet ist.

In Baryschiwka und Beresan melden sich viele Personen aus dem Osten, die vor der großen Zerstörung und den Russen flüchten mussten. Sie kommen bei Familie und Freunden unter oder werden einfach so aufgenommen. In den Geschäften gibt es alles wieder zu kaufen, aber die Preise sind sehr hoch, dass es für manche Leute nicht zum Leben reicht. Wir haben von Pullach Geld für die Besorgung von Lebensmittel gegeben für Arme und Bedürftige.

Die Gegend wird von den Minen, die die Russen hinterlassen haben, befreit. So wird auf den geräumten Feldern gesät und gepflanzt. Die Gefahr lauert überall, die Minen sind überall verteilt. Viele Militärfahrzeuge sind unterwegs. Die Territorialabwehr stellt sich neu auf. Alles bereitet sich vor. Bomben fallen jede Nacht, viele werden abgefangen durch das Abwehrsystem, aber nicht alle. Ein Ziel sind Benzinlager, wichtige Einrichtungen der Infrastruktur, Wasser- und Stromleitungen, Eisenbahnnetz und Straßenverbindungen.

Hier in Pullach sind weit über 100 Geflüchtete in Familien untergekommen, nicht nur von unseren Partnerstädten, sondern von der ganzen Ukraine. Viele engagierte Personen helfen und kümmern sich. Zurzeit laufen vier Deutschkurse über die VHS, die Kinder sind in den Schulen aufgenommen, schwieriger ist es mit den Kindergartenplätzen.

Die Frauen haben sich zu ihren traditionellen Osterfrühstück im Sportheim getroffen, organisiert von Frau Cornelia Zechmeister. Herr Pfarrer Fluck hat die traditionellen Speisen, ähnlich wie bei uns geweiht. Einen Tag vorher wurden die wunderschön verzierten Osterkuchen gebacken. An alle vielen herzlichen Dank für alles, Danke ist so wenig für Ihre großartige Unterstützung.

Hinweisen möchte ich auf die Veranstaltung jeden Sonntag um 17 Uhr, „Innehalten für den Frieden“ solange der Krieg in der Ukraine andauert. Es soll ein Zeichen der Verbundenheit mit unseren Partnern und Freunden sein.

Otto Horak
Vorstandsvorsitzender

Termine

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

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Vertragsunterzeichnung1990

Der Rat der Gemeinde Pullach im Isartal fasste am 30. Januar 1990 einen weitreichenden Beschluss: Er beauftragte die Verwaltung, mit entsprechenden Stellen vorbereitende Gespräche zur Aufnahme einer Partnerschaft mit einer sowjetischen Kommune zu führen. Diese Gespräche führte der damalige Bürgermeister Ludwig Weber, zusammen mit einer interfraktionellen Delegation des Gemeinderats. Die Gespräche führten dazu, dass bereits am 26. Oktober des gleichen Jahres mit einem Festakt im Pullacher Rathaus ein Freundschaftsvertrag mit dem Rayon (Landkreis) Baryschiwka, etwa 70 km östlich von Kiew gelegen, unterzeichnet werden konnte.